Nov 042016
 

Bilder in Bibeln schmücken und gliedern, wollen biblische Inhalte vermitteln, erziehen und belehren. Die Bilder lockern auch die Textmasse auf und machen so das Lesen abwechslungsreicher und ansprechender. Sie wollen unterhalten. Und schließlich haben sie auch eine werbende Funktion, indem sie zum Lesen und dann auch zum Kauf der Bibel animieren wollen. Dabei liegen den Bildern der Kinder- und Bilderbibeln, die im Laufe der Jahrhunderte erschienen sind, verschiedene Konzeptionen zugrunde. Diese zu entdecken, lädt eine neue Habilitationsschrift ein.

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Die evangelische Religionspädagogin Dr. Marion Keuchen untersucht die Bildkonzeptionen von Kinder- und Bilderbibeln des 17. bis 21. Jahrhunderts. Dabei lassen die sorgfältigen Bildanalysen manche Bibeltexte in einem ganz neuen Licht erscheinen und laden zu eigenen Beobachtungen ein. Man erfährt nicht nur über die bildlichen Darstellungen an sich etwas, sondern auch über die Produzent(inn)en der Bibeln und die Werke als solche. Das Bildverständnis und die Bibelillustrationen jedes behandelten Jahrhunderts werden beschrieben, so dass man einen guten Überblick über den Wandel der Konzeptionen im Laufe der Jahrhunderte bekommt. Die Vielfalt der Kinder- und Bilderbibeln ist enorm und es kommen nicht nur verschiedenste christliche theologische Sichtweisen in den Blick, sondern mit Marc Chagalls Bible 1956 auch eine jüdische. Erfreulich ist, dass sich die Autorin mit Wertungen zurückhält. So werden unvoreingenommene Beobachtungen ermöglicht und die Lesenden zu einem eigenständigen Urteil angeregt.

Zum Durchlesen in einem Rutsch eignet sich das zweibändige Werk weniger, denn dafür ist es doch zu wissenschaftlich und umfangreich. Auch setzt es ein gewisses Maß an kulturwissenschaftlichem Vorwissen voraus. Es ist aber ein hervorragendes Nachschlagewerk, das einem eine Menge Informationen und Anregungen für die exegetische und religionspädagogische Arbeit vermittelt. Textband und farbiger Bildband sind zusammen für 110 Euro (E-Book: 89,99 Euro) erhältlich. Das ist nicht billig, aber preiswert – das Werk ist seinen Preis wert.

 

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